Bread and Butter Barcelona, so nennt sich Europas größte Fashion, Streets und Sportwearmesse.
Bread and Butter, das bedeutet jedes Mal ein neues “gigantisches Kingsize-Konzept”, stündliche Fashion Shows, ein eigener Mode-Luna-Park, mehr als 1000 Aussteller, eine eigene Streetwear Ausstellung mit limited Editions, Glanz, Glamour und immer nett winkenden Showhostessen, ca. 90.000 “Fachbesucher” – mit anderen Worten zigtausend Quadratmeter “purer Lifestyle” und viel Marketinggeschwätz.

Authentischer Lifestyle auf der BBB repräsentiert diese Kingsize-Warteschlange wohl nicht.
(wir sind übrigens ganz vorne!)Ansonsten war die Veranstaltung aber top organisiert.
Für uns ist die BBB eine wichtige Informationsquelle, da es bei vielen kleinen Marken keinen zuständigen österreichischen Betreuer gibt. Bei mehreren Marken müssen wir also die neue Kollektion durchsehen und dann gleich entscheiden, welche neuen Styles wir für die nächsten Saisonen bestellen. Dazu müssen wir uns auf so einer großen Messe selbstverständlich nach neuen Shirt- und Sneakermarken umsehen, ein paar Kontakte pflegen usw. Von Urlaub kann man also keineswegs sprechen, man ist eher froh, wieder zuhause zu sein.


Größtes Ärgernis: Ummögliche Größenlots.
Das Größenmanagement stellt ja uns schon manchmal vor einigen Herausforderungen, für viele kleinen Brands mit einem geringen aber wachsenden Händlernetz ist es logistisch aber umöglich, jeden Kunden in seiner gewünschten Größensortierung auszuliefern. Man macht also Pre-Packed Lots und bekommt ein Paket mit 12 Schuhen in einem festgesetzten Größenschlüssel, den der Händler nicht wählen kann. Bei einigen Brands wie Gola und S***R funktioniert das ausgezeichnet, bei anderen Marken, die sich vornehmlich auf den französischen oder italienischen Markt konzentrieren, sind die angebotenen Größenschlüssel aber direkt aus der Hölle.
Bei dem wunderbaren Stiefelhersteller Cheapo sehen wir uns mit einem Lot konfrontiert, der mit Größe 35 beginnt. Wir hatten in dreieinhalb Jahren Zapateria vielleicht 10 Kundinnen die 36 gewünscht haben, aber keine einzige mit 35! Wenn wir bei Cheapo also zum Start 100 Stiefel bestellen, werden wir 30 mit ziemlicher Sicherheit schon aufgrund der kleinen Größen nicht verkaufen, dafür wird 39 sofort ausverkauft sein und wir werden viele Kundinnen vertrösten müssen. Dass sich das für uns nicht rentieren wird, versteht ihr wahrscheinlich.
Auch die in Brasilien produzierte Fair-Trade Marke Veja arbeitet mit einem für uns unangenehmen Männerlot. Die Größe 46 ist nicht vorhanden (die haben aber 15 % unserer Männer), dafür fangen Veja bei Männern bei 40 an. Die könnte man notfallweise für Mädels verkaufen aber das größte Problem ist, dass die Key Größen 43, 44, 45 (ca. 70 % unserer Kunden) sich nur zu 40 % im Lot wiederfinden. Wieder das gleiche wie bei Cheapo. Auf vielen Schuhen werden wir sitzenbleiben, während nach anderen Größen eine lange Nachfrage bestehen wird.
Glücklicherweise hat Cheapo ab März und Veja ab Juli Besserung versprochen. Hoffentlich gibt es diese beiden tollen Brands also doch bald bei uns.
Größter Stress: Der Swear — Stand.
Eigentlich wollten wir nur 3 zusätzliche Schuhmodelle für April ordern. Trotzdem waren wir sicherlich 30 Stunden am Swear-Stand. Der Besitzer der Brand, Jorge Sampiao steht fast immer allein am Stand, ständig telefoniert er (in fünf verschiedenen Sprachen), begrüßt und umarmt Händler und Presse, muss ständig irgendwelche Preis- und Lederanfragen beantworten und ist trotzdem super gelaunt. Nunja, wir haben unsere 3 zusätzlichen Schuhe und endlich wird es die Deans auch in 46 geben.

Jorge von Swear. Während der langen Wartezeit hat David ihm ein Euro-Zeichen gemalt, weil er immer das UK-Pound in unsere Order einträgt.
Ich bin schon ein bisschen gestresst (bin ja heute mit dem Flugzeug erst heimgekommen), morgen poste ich euch noch ein paar Pics und schreib über den Onitsuka-Mega Schuh, den unglaublich abgefahrenen Reebok-Stand und was euch demnächst von der T-shirt Front erwartet.